Wann ist Infrarotstrahlung schädlich?

Ist Infrarotstrahlung schädlich? Wenn Du eine Rotlichtlampe zuhause hast oder mit einer IR-Fernbedienung hantierst, dann könnte es sein, dass Du Dir diese Frage schon einmal gestellt hast. Die Antwort können wir schon vorwegnehmen: Es kommt ganz darauf an. Das zeigt, dass das Thema komplex ist, und wir dröseln es in diesem Beitrag für Dich auf.

 

Infrarot ist überall

Infrarot wird in vielen Anwendungen eingesetzt. In Öfen, in Fernbedienungen, in Blitzern, in Lasern oder in Heizstrahlern spielt Infrarot eine Rolle. Der menschliche Körper sendet Infrarotstrahlung aus, genauso wie Feuer und die Sonne. Das Gefährliche – nicht das Schädliche – an Infrarotstrahlung ist, dass sie unsichtbar ist, und deswegen wird sie oft unterschätzt. Aber als Wärmestrahlung tritt sie oft zusammen mit sichtbarem Licht auf, so dass helles Licht als Indikator für Infrarot gelten kann. Schädlich ist Infrarotstrahlung nur bei gewissen Intensitäten. Je nach Wellenlänge kann Infrarotstrahlung in menschliches Gewebe eindringen und dort oder an den Augen auch schädliche Wirkungen auslösen.

 

Infrarot schädlich

 

Was ist Infrarotstrahlung?

Infrarotstrahlung ist Wärmestrahlung. Du kannst sie als Wärme auf Deiner Haut spüren. Infrarotstrahlung ist elektromagnetische Strahlung und grenzt im elektromagnetischen Spektrum auf der langwelligen Seite an das sichtbare Licht an. Die Wellenlängen reichen von 780 nm bis 1 mm. Man teilt IR-Strahlung in drei Spektralbereiche ein:

  • IR-A (780 nm – 1400 nm): Die kurzwellige IR-Strahlung kann am tiefsten in die Haut eindringen und die Netzhaut oder das Fettgewebe erreichen.
  • IR-B (1400 nm – 3000 nm): Die mittleren Wellenlängen erreichen schon die Netzhaut nicht mehr, durchdringen aber noch die Blutgefäße bis dahin, wo das Fettgewebe beginnt.
  • IR-C (3000 nm – 1 mm): Die langwellige Strahlung ist auf der Haut und der Hornhaut nur noch oberflächenaktiv.

 

Schädliche thermische Wirkung von Infrarot auf der Haut

Wenn intensive Infrarotstrahlung auf Deine Haut einwirkt, dann kann es durch den Temperaturanstieg im Gewebe zu Verbrennungen kommen. Diese schädliche Wirkung der Infrarotstrahlung wirst Du aber bemerken, weil Du durch die Hitze Schmerzen spüren wirst und Dich bereits vor dem tatsächlichen Auftreten einer Verbrennung von der Infrarotquelle entfernen kannst.

 

Schädliche Wirkung von Infrarot auf Linse und Netzhaut

Wenn die Linsen Deiner Augen regelmäßig Infrarot-Strahlung ausgesetzt sind, dann kann das zu Grauem Star führen. Auch die Netzhaut kann unter dem schädlichen Einfluss von Infrarot irreversible Schäden davontragen, wenn das Gewebe über eine kritische Temperatur hinaus erwärmt wird. Wenn Du beispielsweise beruflich bedingt (Schweißer, Schmied, Gießer, etc.) längere Zeit in glühend heiße Gegenstände blicken musst, solltest Du einen adäquaten Augenschutz tragen. Dazu gibt es auch entsprechende Vorschriften zur Arbeitssicherheit.

 

Welche Infrarotstrahlung ist schädlich für das Auge?

Wärmestrahlung ist – wie schon gesagt – unsichtbar. Aber eine Wärmequelle sendet auch elektromagnetische Strahlung anderer Wellenlängen aus. Es gilt, je heißer der strahlende Körper ist, desto mehr kurzwellige Strahlung wird mit ausgesendet und desto intensiver ist der Gluteindruck. Das führt dazu, dass sehr starke Infrarotstrahler eine unterschiedliche Glutfarbe haben, die von der Ausgangstemperatur abhängig ist.

  • 20 – 35°C: Menschliche oder tierische Körper glühen nicht. Die ausgesandte Strahlung ist unsichtbar, aber vollkommen unschädlich.
  • 200°C: Die Strahlung von Backöfen oder IR-Flächenheizelementen ist immer noch unsichtbar. Das Gefährdungspotenzial ist weiterhin sehr gering, nur bei sehr langen Expositionszeiten gilt es aufzupassen.
  • 500°C: Elektrogrills zeigen beispielsweise eine beginnende Rotglut. Für Linse und Hornhaut beginnt bereits eine Gefährdung. Das gilt auch für Rotlichtlampen.
  • 1500°C: Bei Eisenschmelzen lässt sich z.B. eine blendende Weißglut erkennen. Wenn Du dort hineinschaust, liegt eine Gefahr für Linse und Hornhaut vor. Auch eine beginnende schädliche Wirkung für die Netzhaut ist schon festzustellen.
  • 5500°C: Der direkte Blick in die Sonne zeigt Dir ein neutrales Weiß. Aber dieser Blick ist definitiv schädlich für die Netzhaut. Auch die UV-Strahlung der Sonne hat eine zusätzliche schädliche Wirkung.

 

Wo gibt es Wärmestrahlung?

Bestimmte Berufe sind besonders hohen Infrarotstrahlungen ausgesetzt. Wer in Metallschmelzen mit Hochöfen, Gießereien und glasbearbeitenden Betrieben arbeitet oder mit offenem Feuer, Schweißgeräten und vergleichbaren Dingen zu tun hat, sollte Schutzmaßnahmen ergreifen. Vorschriften zur persönlichen Schutzausrüstung wird es an den jeweiligen Arbeitsplätzen geben.

Aber auch im Alltag begegnen Dir Wärmequellen: der Elektrogrill auf Deiner Terrasse, die Rotlichtlampe zur Behandlung von Erkältungen oder der IR-Heizstrahler im Gastrobereich. Wenn Du dicht genug an diese Wärmequellen herangehst und hineinstarrst, dann kann die Infrarotstrahlung ganz schnell schädlich werden. 20 cm Abstand und 10 s direktes Hineinschauen können schon ausreichen, um den Grenzwert für Augenschädigungen zu überschreiten. Also halte immer Abstand und vermeide ein direktes Hineinstarren.

 

Sonderfall Infrarotlaser

Leistungsfähige IR-Laser oder IR-Leuchtdioden kommen ohne Begleitstrahlung aus. Sie senden unsichtbares Infrarot aus, was nicht unbedingt als Wärme wahrgenommen wird. Auch hier müssen Sicherheitsvorkehrungen zum Schutz der Augen getroffen werden. IR-Fernbedienungen oder ähnliche Anwendungen sind allerdings sehr leistungsschwach und unschädlich.

 

Auf die Intensität kommt es an

Infrarot ist umso schädlicher, je intensiver die Strahlung ist. Die Schädlichkeit des Temperatureffekts auf der Haut kannst Du schnell bemerken, weil der Schmerz Dich warnt, bevor es überhaupt zu einer Verbrennung kommt. Aber das Auge ist empfindlich und sieht die Gefahr nicht, die von der unsichtbaren Strahlung ausgeht. Hier musst Du zu Vorsichtsmaßnahmen greifen: Abstand halten und möglichst nicht direkt in den Infrarotstrahler hineinstarren.